Ironman World Championship - Kailua-Kona,Hawaii

Aloha!

Abreise aus dem Paradies

Mittwoch, 17. Oktober, ich mag es kaum glauben aber unsere Koffer sind gepackt und der Aufenthalt auf Big Island ist tatsächlich schon wieder vorbei. Wo ist nur die Zeit geblieben?
Wir haben hier eine wunderschöne Zeit verlebt, mit vielen Höhepunkten und neuen spannenden Erlebnissen. Viele Eindrücke und Impressionen gesammelt, die wir nie vergessen werden.

Mit einem Platz im Mittelfeld des Starterfeldes ist meine 3. Teilnahme an den Ironman Weltmeisterschaften aus sportlicher Sicht auf den ersten Blick eher durchschnittlich, war ich bei meinen ersten beiden Teilnahmen doch deutlich schneller und besser platziert.
Für mich hat meine Leistung in diesem Jahr einen viel höheren Stellenwert als in 2007 und 2009, nimmt man allein einmal in Betracht, dass es im August dieses Jahres noch nicht einmal sicher war, ob ich aufgrund meiner schweren Verletzung überhaupt würde starten können. Als Daylight-Finisher habe ich dabei meine eigenen Erwartungen mehr als übertroffen. Alle Tränen der Verzweiflung und aufgrund der Schmerzen sind dadurch vergessen.

Ein weiteres Mal haben wir unsere Begrüßungs-Blumenkränze ins Meer geworfen. Nach altem hawaiianischen Glauben kehrt man ansonsten nicht auf die Insel zurück. Man weiß ja nie…

Bevor es jetzt direkt nach Hause geht, wartet auf uns wie vor 3 Jahren ein 9stündiger Aufenthalt in San Francisco. Diesen werden wir nutzen, um uns die Stadt noch ein wenig genauer anzuschauen.
Zu Hause werde ich mich dann schnellstmöglich an meinen Laptop setzen und einen ausführlichen Wettkampfbericht schreiben. Ich habe noch viel Spannendes zu berichten…

Ein letztes Mal Hang loose aus Kailua-Kona, Olaf!

Speichenbruch - Der Zweite

Schwein gehabt

Heute Früh habe ich mich um 10 Uhr mit Jakob Ohlsen am Pier getroffen. Jakob arbeitet an einem Film für unseren Reiseveranstalter Hannes Hawaii Tours und hat sein komplettes Film- und Fotoequipment mit vor Ort. Das wollten wir nutzen, um noch ein paar professionelle Aufnahmen von mir zu machen. Auf dem Weg ins Wasser kam uns ein gut gelaunter Ironman Weltmeister Pete Jacobs entgegen und erfreute sich unserer Glückwünsche.

Nach den Aufnahmen im Wasser beschlossen wir, uns auf den Weg zum Queen-K Highway zu machen, wo wir uns ein gutes Panorama für die Rad- und Laufaufnahmen erhofften.

Gerade als wir mit den Radaufnahmen fertig waren und uns an die Laufaufnahmen machen wollten, knallte es an meinem Hinterrad. Das Geräusch kam mir bekannt vor.

Wie vor einer Woche ist mir ohne Vorankündigung eine Speiche gebrochen. Jakob und ich guckten uns an und sagten fast zeitgleich: „Schwein gehabt!“ Zum Glück nicht im Wettkampf, denn da hätte dieses unter Umständen das Aus bedeutet.Weil ich mir dessen absolut bewusst war, machte mir es auch nichts aus, das Fahrrad von dort 3km durch die sengende Hitze bis zum Hotel zu schieben.
Die Vermutung liegt nahe, dass das Hinterrad einen Transportschaden erlitten hat und es wird deshalb in Deutschland erst einmal neu eingespeicht.

Ansonsten tat es schon richtig gut sich mal wieder ein wenig zu bewegen…

Hang loose, Olaf!

Aloha und Hawai'i!

Geisterstadt Kona

Wenn man jetzt durch die Straßen von Kailua-Kona geht, kann man sich nicht ansatzweise vorstellen, dass hier vor 2 Tagen die Ironman Weltmeisterschaften stattgefunden haben. Es erinnert fast nichts mehr an den Wettkampf. Der Großteil der Athleten und Athletinnen hat Big Island bereits wieder in Richtung Heimat verlassen oder ist zum „Inselhopping“ aufgebrochen und besucht die bekannten Nachbarinseln Maui und Oahu mit der Hauptstadt Honolulu.

Selbst die Delfine lassen sich seit dem Wettkampf nicht mehr in der Bucht blicken.

Dafür findet man endlich wieder richtig Platz in den Restaurants und Bars und muss beim Einkauf nicht ständig anstehen. Wir genießen die Ruhe und können uns total entspannen.

Heute war es sehr heiß und wir haben die meiste Zeit am und im Pool gelegen. Nachmittags sind wir in der Lagune schnorcheln gewesen und mit den bunten Fischen um die Wette geschwommen. Das hört sich doch nach Urlaub an, oder?

Hier noch ein paar Zahlen zum Wettkampf: Es sind 1984 Starter und Starterinnen aus 60 Nationen am Start gewesen. Davon haben 94,8% den Wettkampf erfolgreich beendet. Der älteste Finisher war unglaubliche 82 Jahre alt! Der Amerikaner Lew Hollander musste dabei wie alle anderen Starter und Starterinnen auch die Distanzen von 3,8km schwimmen, 180km Rad fahren und 42,2km laufen zurücklegen…

Hang loose, Olaf!

Der Tag danach

The Day after

Nach einer fast schaflosen Nacht, habe ich heute Früh erst einmal Bestandaufnahme gemacht und mir meine Blessuren genauer angeschaut. An den Armen, am Rücken und im Schritt habe ich mir ganz schöne Scheuerstellen zugezogen. Der Rücken und die Oberarme sind trotz Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 ordentlich verbrannt. Zudem scheint es so, als wenn zwei Zehnägel die Heimreise nicht wieder mit antreten würden. Mein geflicktes Knie habe ich gestern Abend noch ordentlich gekühlt. Das fühlt sich heute schön wieder ganz gut an.

Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell der Körper nach so einer enormen Anstrengung regeneriert.

Heute Abend fand das offizielle Sieger-Bankett statt. Endlich mal essen war man möchte und Bier satt. Von wegen es gibt kein Bier auf Hawaii… Die Veranstaltung ist sehr amerikanisch und wird bis ins Letzte zelebriert. Die deutschen Starter konnten bei den Profi-Herren 4 Athleten unter den Top 6 platzieren. Zudem konnten bei den Age-Groupern einige deutsche Altersklassen-Weltmeister gefeiert werden. Das führte zu einer tollen Stimmung im deutschen Lager. Nach der Siegerehrung geht es dann noch weiter in Konas Diskotheken. Dort wird noch bis in den Morgen ausgelassen gefeiert. Der Wettkampfdruck ist weg und morgen muss auch nicht trainiert werden…

Jetzt ist Urlaub!!! Hang loose, Olaf!

Erschöpft aber glücklich den 3. Ironman Hawaii gefinisht

Daylight-Finisher

Es ist jetzt gar nicht einfach, so kurz nach dem Wettkampf die Emotionen in Worte zu fassen. Ich liege auf dem Bett und bin körperlich total erschöpft, verbrannt und geschunden. Auf meinem operierten Knie liegt ein großer Eisbeutel.

Vom Kopf ganz zu schweigen. Einerseits bin überglücklich, dass ich gesund ins Ziel gekommen bin, andererseits war es für mich der mit Abstand schwerste Wettkampf, den ich bislang absolviert habe. Das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. Physisch als auch psychisch.

Der Wettkampf hat den Athleten und Athletinnen absolut alles abverlangt. Die Bedingungen waren sehr schwer. Von den Temperaturen her ging es noch aber der Wind hat allen zugesetzt. Ich bin gut in den Wettkampf gestartet. In 1:05 Std. habe ich trotz starken Wellengangs einen neue persönliche Bestzeit über die 3,8km schwimmen auf Hawaii geschafft. Auf dem Rad bin ich verhalten gestartet. In den Anstiegen machte sich mit zunehmender Wettkampfdauer dann mein Knie leider bemerkbar. Da musste ich schon immer an den Marathon denken und fragte mich ständig, was da noch auf mich zukommen würde.

In den Marathon bin ich gut gestartet. Leider wurde ich hier aber schnell zur „Hinkenden Lotte“. Gut, dass meine Mutter das nicht sehen konnte… Trotzdem kam ich aber irgendwie vorwärts aber die Anstrengung war immens. Die Versuchung war groß, zwischendurch einfach mal ein paar Meter zu gehen aber mir saß die Zeit im Nacken. 18:11 Uhr ging heute in Kailua-Kona die Sonne unter und ich wollte doch so gerne Daylight-Finisher werden. Kurz nach 18:00 Uhr bog ich auf den berühmten Alii Drive, die Zielgerade, ein. 18:09 Uhr lief ich dann überglücklich ins Ziel. Puuh, das war knapp! Ein gutes Pferd springt ja aber bekanntlich immer nur so hoch wie es muss… 

 


 

Jetzt heißt es erstmal irgendwie regenerieren.

Vielen Dank schon einmal von hier aus, denjenigen, die heute im Wettkampf mal an mich gedacht und die Daumen gedrückt haben Es hat geholfen! Neben mir liegt eine riesige Medaille…

Hang loose, Olaf!